Wo liegt meine Sch(m)erzgrenze?

Wo liegt meine Sch(m)erzgrenze?

Als Selbstständige/r hat man es nicht immer leicht. Weiss man zumindest als Betroffene/r. Es gibt bestimmte leidige Themen auf die man immer wieder stößt, egal wie lange man bereits im Geschäft ist.

Dabei stellt die Neukundenakquise ein großes Kapitel dar – besonders wenn die „ungesehene Arbeit“ an Präsentationen und Erstterminen wie so oft unbezahlt ausfällt. Ganz abgesehen von den investierten Arbeitsstunden drängt sich ein ungutes Gefühl der Missachtung des eigenen Jobs als wertgeschätzte „Arbeit“ auf.

Oftmals wird vom Kunden nicht verstanden, das eine gute Vorbereitung auf das erste Kennenlernen, Recherche über das Unternehmen sowie einige strategische Überlegungen zur Auftrittsverbesserung gleich mal ein paar Tage Arbeit in Anspruch nehmen können. Allzu häufig beisst man hierbei in den sauren Apfel und zeigt Verständnis dafür, das der Auftraggeber sich erst einmal ein Bild von der Person und dem Können machen möchte. Immerhin geht es ja in so manchen Fällen um eine ganz schöne Summe Geld. Doch wo zieht man danach Schlussstrich? Wo setzt man eine Grenze zwischen dem Service der Vorbereitung auf eine Zusammenarbeit und dem Beginn eines entlohnten Arbeitsverhältnisses?

Wenn man noch neu im Business ist sieht man häufig über solche Missstände hinweg. Man freut sich ungemein, wenn man überhaupt Aufträge bekommt. Je mehr Erfahrungen man jedoch bereits gesammelt hat, umso bewusster wird einem die Kostbarkeit von Zeit und der Aufwand, den bestimmte Projekte mit sich bringen. Ausserdem ist man schlichtweg vorsichtiger geworden. Man vertraut nicht mehr blindlings jeder Versprechung, das auf diesen und jenen gratis Entwurf der Auftrag des Lebens folgen wird.

Und trotzdem wird es immer wieder potenzielle Aufträge geben, bei denen man erneut überlegt, ob sich der unbezahlte Aufwand belohnt machen könnte. Eine Antwort auf diese Frage steht leider nur in den Sternen. Die Entscheidung fällt irgendwo zwischen dem Interesse an dem Projekt, persönlichen Prinzipien, finanzieller Lage und blinder Einschätzung eines unbekannten Auftraggebers – der sich entweder zu einem angenehmen Zeitgenossen, oder auch zu einem unvermeidlichen „Pain in The Ass“ entwickeln kann. Immerhin läuft nicht nur der Arbeitgeber Gefahr sein Geld schlecht zu investieren. Auch für uns Auftragnehmer kann ein Arbeitsverhältnis zum wahren Verlust (sowohl auf geschäftlicher, als auch auf persönlicher Ebene) werden. Streits um unbezahlte Honorare und harsche Kommunikation lässt die Wenigsten unberührt bleiben.

Ich bemühe mich mittlerweile, diese Themen nur mehr „in Gefühlen abzuwiegen“. Stellt es mir schon die Haare auf bei dem bloßen Gedanken daran, noch einen Strich auf unbezahlter Basis zu erledigen, dann lasse ich es bleiben. Sagt mir meine Intuition das sich die Mühe für die Zukunft lohnen könnte, beuge ich mich nach wie vor immer wieder diesen fraglichen Konditionen.

Vielleicht hilft die folgende Überlegung: Ganz abgesehen davon, ob man sich selbst in diese Lage begeben möchte oder nicht, macht man es der folgenden Generation in der Berufssparte immer schwerer. Je selbstverständlicher es wird, das das halbe Projekt bereits vor dem Zustandekommen eines Auftrages unbezahlt erledigt wird, desto weiter werden die Schmerzgrenzen in Zukunft ausgelotet.

Vielleicht kann der Gedanke an das künftige Wohl der beruflichen Nachkommen den inneren Ja-Sager wütend stimmen, um für sein Recht auf bezahlte Arbeit zu pochen. Immerhin sollte es eine Selbstverständlichkeit sein, für seinen erlernten Beruf entlohnt zu werden.

Wie man wieder aufsteht.

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Abnormal Normal

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